Mythen, Sagen und Geschichten

Rund um die Linsen gibt es zahrleiche Geschichten und Mythen.Ein der bekanntesten ist die biblische Geschichte, in der Esau Jakob das Erstgeburtsrecht gegen Brot und gekochte Linsen verkaufte (Genesis, 25, 27-34).

 

Auch in den Märchen der Gebrüder Grimm finden Linsen Erwähnung. So wird Aschenputtel von ihrer Stiefmutter  beauftragt, Linsen zu lesen ("Die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen"), um zu verhindern, dass sie am Ballzur Rückkehr des Vaters teilnehmen kann. Aber auch in unbekannteren Märchen der Gebrüder Grimm werden Linsen erwähnt, so in den Märchen "Das Waldhaus" und "Der Räuberbräutigam".

 

Das Märchen von Maruf ist die letzte Geschichte in 1001 Nacht. Maruf, ein Schuhflicker, verlässt die Stadt Kahira, in der seine Frau ihm das Leben schwer macht. Er gibt sich als reicher Kaufmann aus, leiht sich Geld, das er sofort wieder verschenkt. Der Sultan verheiratet ihn mit seiner Tochter, da Maruf auch ihm Reichtümer versprochen hat. Als aufzufliegen droht, dass er ein armer Schuhflicker ist, rät ihm die Prinzessin zu fliehen. Auf der Flucht lädt ein Bauer Maruf zum Essen ein. Noch während er die Speisen holt, Gerste fürs Pferd und Linsen für den Gast, findet Maruf einen Schatz und trifft Abu Saadat, einen guten Geist, der ihm Reichtümer herbei zaubert. Maruf kehrt in die Stadt zurück und besteigt fünf Jahre nach dem Tod des Sultans den Thron.

 

Goethe schrieb ebenfalls über Linsen, so in den Briefen an Charlotte von Stein:

"Zwar wollt ich heut wieder durchs Entbehren erfahren wie lieb ich Sie habe. Ich dencke doch aber ists besser Linsensuppe mit Ihnen aus der Pasteten Schaale zu essen also komm ich um 12 Uhr."

In "Die Leiden des jungen Werther" (Kap. 1) werden ebenfalls Linsen benannt und in der "Italienischen Reise" beschreibt Goethe den Linsenanbau.

 

Alexander von Humboldts agrarkritische Einschätzung ist auch heute noch aktuell: "Dieselbe Strecke Landes, welche als Wiese, d.h. als Viehfutter, zehn Menschen durch das Fleisch der darauf gemästeten Tiere aus zweiter Hand ernährt, vermag, mit Hirse, Erbsen, Linsen und Gerste bebaut, hundert Menschen zu erhalten und zu ernähren."

Eine der hübschesten Geschichten betrifft den italienischen Silvesterbrauch. 

Dort (und einigen Gegenden Süddeutschlands) ist es Brauch, zu Silvester rote Unterwäsche zu tragen (für das Glück in der Liebe) und um  Mitternacht einen Teller Linsen zu essen - dies bringt Glück und Geldsegen im nächsten Jahr. Ein typisches Gericht sind Linsen mit Cotecchino, aber auch ein Linsensalat oder eine Linsensuppe erfüllen ihren Zweck.

Auch in Tschechien gibt es diesen Brauch. Hier werden Linsen eher in einer sauren Variante gegessen.